Hypothese
Interfaces agieren kontextbewusst
Interfaces der Zukunft beenden das statische „Bildschirmdenken“ und ermöglichen flüssige, situative Interaktionen. Die Systeme dahinter erfassen in Echtzeit, wo wir uns befinden, was wir gerade tun und antizipieren unsere Bedürfnisse. Sie filtern aktiv, was relevant ist – und was es nicht ist. Dieses Kontextbewusstsein schafft den Übergang zu ganz neuen Erlebnissen für unsere Nutzer:innen.
ENTLASTUNG DURCH VORAUSAHNUNG
Bereits um das Jahr 2025 zeigten neue, intelligente Modelle erstmals das große Potenzial der Situationserkennung. Smartphones und Wearables begannen, kontextuelle Signale aus der Umgebung und vom Nutzenden zu kombinieren. Intelligente Assistenten konnten zum Beispiel Stresssituationen erkennen und daraufhin komplexe Aufgaben oder dringende Benachrichtigungen automatisch verschieben, um Nutzende zu entlasten. Interfaces reagierten nicht mehr nur auf das, was eingegeben wurde, sondern auf die gesamte Situation, in der die Eingaben entstanden.
Das System versteht das Ziel, weiß, welche Informationen es sammeln muss, und fragt sich dann: 'Welches Interface müssen wir dafür bereitstellen und Informationen sammeln? Tada, hier ist es!'Josh Clark, Principal at Big Medium
SENTIENT DESIGN: AI AND THE NEXT CHAPTER OF UX
Alles wird fließend
Diese neue Fähigkeit, den Kontext zu erkennen, erzwingt einen fundamentalen Wandel:
Die Interfaces reagieren nicht nur, sie passen sich in Echtzeit radikal an.
Der Wandel geht weg von starren Apps hin zu mitdenkenden Oberflächen. Das bedeutet, die gesamte Gestaltung der Anwendung wird fließend. Das System verändert Inhalt, Aufbau und Funktionen – manchmal alles gleichzeitig – um sich an deinen aktuellen Kontext und deine Absicht anzupassen.
Vom Design-Grid zur fließenden Oberfläche
Design wird somit zu einem dynamischen Prozess, bei dem das System nicht nur vorhersagt, was du willst, sondern sich im selben Moment neu zusammensetzt, um dir die Informationen bzw. Funktionalitäten im besten Format zu zeigen. Das große Ziel: eine ultra-persönliche Nutzererfahrung, die sich anfühlt, als wäre die App nur für dich entworfen worden.
Vorteile
☝️
Situationsgerechte Informationen
Nutzende erhalten genau die Inhalte, die in ihrer Situation sinnvoll und relevant sind.
✌️
Reduziert kognitive Last
Unpassende oder komplexe Informationen oder Aufgaben werden zurückgestellt.
🤟
Erhöhte Sicherheit
Risikoreiche Informationen oder Interaktionen können je nach Situation automatisch ausgeblendet oder verschoben werden.
Einschränkungen
🙈
Fehleinschätzung des Kontexts
Falsch interpretierte Signale können zu unpassenden Vorschlägen oder Verzögerungen führen.
🙉
Datenschutz mit Kontextdaten
Damit das Vertrauen erhalten bleibt, müssen Transparenz und Datenschutz strikt gewährleistet werden.
🙊
Initital erklärungsbedürftig
Nutzende müssen insbesondere in der Umstellungsphase verstehen können, warum ein Interface Informationen anpasst oder zurückhält.
Signale aus der Gegenwart
Schon heute sehen wir erste Anzeichen, die uns Anhaltspunkte
und Potentiale für mögliche Interface-Zukünfte geben.
Bzzz!
Apple iOS "Focus Mode"
Das System nutzt Ort, Zeit und Aktivität des Nutzenden, um die kognitive Last zu minimieren. Es filtert aktiv irrelevante Benachrichtigungen und Anrufe und kann App-Inhalte an den Fokus anpassen.
Ping!
Google: Generative UI
Die KI generiert auf Basis des Kontextes und der Nutzerabsicht in Echtzeit völlig neue, reichhaltige und visuell optimierte User Interfaces (UI). Das System entscheidet, welches UI-Element gerade am besten zur Zielerreichung passt.
Tsching!
Microsoft Copilot 365
Als assistierendes Tool ist Copilot kontextsensitiv in Bezug auf die Arbeitsumgebung (Microsoft 365, Edge, Windows). Es erfasst, welche Dokumente oder Daten gerade relevant sind, um pro-aktive und präzise Vorschläge zu machen.
Experiment
Was wäre, wenn deine Banking-App auf deine Gefühlslage eingeht?
Worum geht's?
Über verknüpfte Gesundheits- und Tracking-Daten kann deine App Sparkasse erkennen, ob du gestresst oder entspannt bist und ihr Verhalten auf dich anpassen. Bei hoher Belastung zeigt sie nur das Wichtigste oder warnt vor impulsiven Entscheidungen, in ruhigen Phasen zeigt sie dann detailliertere Infos oder komplexere Themen. So entsteht ein Banking, das immer auf deine jeweilige Stimmung Rücksicht nimmt.
Die App Sparkasse passt ihre Darstellung an deine momentane Verfassung an: reduziert und klar in stressigen Momenten, strukturierter und detaillierter, wenn du aufnahmefähig bist. So wachsen körperliche Verfassung und Financial Health zusammen. Das Ergebnis ist Banking, das sich im richtigen Moment genau richtig anfühlt.
Wenn du möchtest, berücksichtigt die App Sparkasse neben deiner Verfassung auch Uhrzeit und Standort, um riskante Momente zu erkennen. Sie kann impulsivem Handeln vorbeugen und dir bessere Zeitpunkte für eine Entscheidung empfehlen.
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Viva la Interface Revolution! 🏴☠️
- Titelbild: Resource-Database auf unsplash.
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