The New Together
Fenster in die Zukunft
Das Licht am Aufzug
Leonie würde wieder zu spät zur Arbeit kommen. Das kleine Licht am Aufzug war an. Also wartete sie.
Wann war dieses Licht eingebaut worden? Vielleicht zur gleichen Zeit wie die Einzeltische in Restaurants und die automatische Reservierung der Nachbarsitze im Zug. Eigentlich fand Leonie das alles nicht gut. „Menschen sollten sich begegnen“, sagte sie immer.
Beim ersten Mal, als sie das Licht sah, stieg sie nicht ein, weil sie fand, dass sie schlecht aussah. Beim zweiten Mal war sie schlecht gelaunt. Beim dritten Mal war es schon Gewohnheit: Sie hatte keine Lust, jemandem zu begegnen. Inzwischen bekam sie Bauchschmerzen bei dem Gedanken, mit einer anderen Person in diesem engen Raum zu stehen und mit ihr reden zu müssen.
Als das Licht endlich ausging, stieg Leonie ein.
Gegenwart
Leonie lebt in einer möglichen Zukunft, in der Menschen selbst flüchtige Begegnungen vermeiden können. Ihre Geschichte knüpft an eine Entwicklung an, die schon heute spürbar ist. Einsamkeit prägt den Alltag vieler Menschen. Das Bedürfnis nach Verbindung bleibt dennoch bestehen. Deshalb entstehen Initiativen und Orte, an denen Menschen bewusst zusammenkommen und neue Gemeinschaften bilden. Ein Anliegen, das zum Selbstverständnis der Sparkassen gehört.
Wir waren nie besser vernetzt, und
nie einsamer.
WHO erklärt Einsamkeit zu einem „globalen Problem der öffentlichen Gesundheit“.
15
Zigaretten am Tag: So gesundheitsschädlich kann Einsamkeit sein. (Bericht des US Surgeon General)
871.000
Einsamkeit wird mit 871.000 jährlichen Todesfällen assoziiert. (WHO)
Einsamkeit wird immer jünger
Einsamkeit betrifft zunehmend jüngere Generationen. Besonders bei den 18- bis 39-Jährigen gibt eine Mehrheit an, häufig oder zeitweise einsam zu sein. Gleichzeitig ist Einsamkeit ungleich verteilt: Menschen in wirtschaftlich oder sozial vulnerablen Lebenslagen sind besonders stark betroffen.
Bertelsmann Stiftung (2024)
Social Media als Einsamkeitstreiber
Jenseits des Versprechens, Menschen zu verbinden, führen Social Media Plattformen bei vielen Nutzenden zu ständigem Vergleich, dem Streben nach Bestätigung, Leistungsdruck und Suchtverhalten. Social Media bindet uns durch manipulative Designs und Algorithmen, die unsere Sichtweisen bestätigen, andere Perspektiven ausblenden und so soziale Isolation fördern.
> 25 %
der 10 bis 17-Jährigen nutzen soziale Medien in problematischem Ausmaß. (DAK und UKE Hamburg)
Die häufige Nutzung von digitalen Medien kann bei Teenagern zu einem Gefühl der Einsamkeit, erhöhtem Stress und psychischen Erkrankungen, wie Angst und Depression, führen.
KI als Anbieter von Gesellschaft
Immer mehr Dienste bieten KI-basierte Freundschaften oder Partnerschaften an.
KI-Begleiter, der Gespräche natürlicher, persönlicher und emotional unterstützend führen soll.
PiKI als Freunde und Partner. Nutzer:innen bauen emotionale Beziehungen zu digitalen Begleiter:innen auf, die zuhören, antworten und jederzeit verfügbar sind.
ReplikaAndere Faktoren, die uns einsam machen:
Die physische Isolation hat unsere sozialen Beziehungen und Fähigkeiten nachhaltig beeinträchtigt.
Selbstverwirklichung gewinnt an Bedeutung, während langfristige soziale Bindungen schwächer werden.
Mobilität und Stadtgestaltung erschweren stabile Beziehungen und das Gefühl lokaler Zugehörigkeit.
Beobachtung 01
Das Physische wird digital aktiviert.
Der Anstoß für analoge Begegnungen findet online statt.
Swipe dir deine Freund:innen
Freundschaft entsteht seltener „nebenbei". Sie wird zunehmend durch Friendship Dating gezielt gesucht und „gematcht“, ähnlich wie romantische Partnerschaften. Hierfür entstehen sogar eigene Plattformen und Formate, die bei der Suche nach Freunden unterstützen sollen.
Menschen finden gezielt neue Freund:innen in ihrer Umgebung – nach einer Dating-ähnlichen Matching-Logik, allerdings für platonische Beziehungen anstelle von Romantik.
Plattform, die kuratierte Abendessen mit fremden Menschen organisiert und über einen Persönlichkeitstest passende Gruppen zusammenstellt.
Trainier dir dein Netzwerk
Sport ist zu einem festen Bestandteil unserer Routine geworden und zu einem der wichtigsten Orte, an dem wir neue Menschen kennenlernen. Anders als Fitness- und Sportabos, die vor allem maximale Flexibilität versprechen, gewinnen Clubs als Orte der Beständigkeit an Bedeutung: Man begegnet immer wieder denselben Gesichtern. Aus Fremden werden Bekannte, aus Bekannten Freund:innen.
Strava Clubs
Lauf- und Radfahrgruppen auf Strava gewinnen an Popularität und werden über die Plattform koordiniert.
29 Mio.
Mitgliedschaften in 86.000 Sportvereinen. Sport ist so beliebt wie nie. (DOSB)
Clubs werden zum Lifestyle
Es entstehen auch andere Formate, die Sport, soziale Begegnung, Gastronomie und Arbeit verbinden. -> The New Social Club
Hamburger Sauna-Community, die gemeinsame Aufgüsse als Ritual zelebriert.
Das Haus folgt dem eigenen Anspruch: Train, Meet & Eat under one roof.
Menschen wollen sich treffen, Unternehmen nutzen das.
Viele Marken reagieren auf das wachsende Bedürfnis nach Gemeinschaft mit Hosted Belonging: Sie schaffen Räume und Erlebnisse für echte Verbindung, die zugleich ihrer Marke und ihren Produkten Sichtbarkeit verleihen.
Initiative der Brauerei in Seoul, bei der Dächer zu sozialen Treffpunkten umgestaltet werden, um Isolation in Städten zu bekämpfen.
Haspa-Filialen werden als Treffpunkte für Strickclubs zur Verfügung gestellt.
Beobachtung 02
Community wird zum Sicherheitsgefühl.
Zugehörigkeit wird zur Quelle von Schutz und Resilienz.
Nachbarschaft als Netz
Nachbarschaft wird als sozial-hybride Infrastruktur verstanden: als Kombination aus digitalen Plattformen, kommunaler Infrastruktur und konkreten Orten des gemeinsamen Handelns.-> Return of the Neighborhood
Über diese Plattform können Nachbarn in der Umgebung miteinander in Kontakt treten, um Dinge zu teilen oder zu leihen, Hilfe zu finden, lokale Angebote zu entdecken und neue Kontakte in der Community zu knüpfen.
Genossenschaft, die unter Beteiligung ihrer Mitglieder und der Nachbarschaft aufgebaut, betrieben und genutzt wird.
Belong at Work
Auch wenn Homeoffice mehr Flexibilität bietet und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtert, schwächt es zugleich die soziale Bindung im Arbeits-umfeld. Viele Organisationen reagieren darauf mit gezielten Initiativen für mehr Zugehörigkeit. Eine schwedische Apotheke führt bezahlte Freundschafts-zeit gegen Einsamkeit ein: 15 bezahlte Minuten pro Woche, in denen Mitarbeitende soziale Kontakte pflegen können. (ICA Gruppen)
„Belonging“ wird damit zunehmend als zentraler Faktor für Wohlbefinden und Produktivität verstanden und ergänzt vielerorts bereits klassische DEI-Ansätze zu „DEIB“: Diversity, Equity, Inclusion & Belonging.
Connected employees are effective employeesKasley Killam
Sozialwissenschaftler
Engagement wird neu erfunden
Während das Vertrauen in repräsentative Institutionen sinkt und klassische Engagement-Formen stagnieren, wachsen neue Formate der direkten, dialogischen und digitalen Teilhabe. Es ist keine Rückkehr zur politisch vorgegebenen Gestaltung, sondern eine Neuerfindung dessen, was Zugehörigkeit durch Mitmachen und Entscheiden bedeutet. -> Engagement trifft Belonging
Durch digitales Engagement-Matching werden Vereine, Initiativen und engagierte Menschen gezielt zusammengebracht.
Lokale Aktionsgruppen entscheiden vor Ort über Fördermittel und beziehen Bürger:innen, Kommunen und Unter-nehmen in die Entwicklung der Region mit ein.
Beobachtung 03
Digitalität wird achtsam gelebt.
Zeit vor dem Bildschirm wird bewusster, langsamer und selbstbestimmter verbracht.
Media wird wieder Social
Social Media Plattformen konfrontieren uns permanent mit Werbung, fördern Isolation und verstärken gesellschaftliche Polarisierung. Als Gegenbewegung entsteht Slow Social: digitale Räume, die Verbindung bewusster, langsamer und selbstbestimmter organisieren wollen, wie Bluesky, Mighty Networks, W Social oder BeReal.
Europäisches Microblogging-Netzwerk als Alternative zu US-amerikanischen Plattformen wie X.
Social-Media-Plattform, auf der Freund:innen authentische Einblicke in ihren Alltag teilen.
Das Smartphone bleibt zu Hause
Immer mehr Menschen erkennen Social Media und KI als Mitverursacher von Einsamkeit und psychischen Belastungen und wählen bewusst den unbequemeren Weg. Jüngere Generationen praktizieren den gezielten Verzicht auf digitale Vereinfachung, um Toleranz gegenüber Unannehmlichkeiten zu stärken und das wiederzugewinnen, was sie als bedeutungsvolle menschliche Erfahrung verstehen. -> Reclaiming friction
Ein Format für analoge Treffen ohne Smartphone. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Zeit, persönliche Begegnung und Aktivitäten wie Lesen, Gespräche oder kreatives Arbeiten.
Eine 30-tägige Challenge, bei der man ohne Smartphone lebt und sich einer lokalen Gruppe für wöchentliche Treffen und kreative Übungen anschließt.
Was wäre, wenn die Sparkassen eine noch größere Rolle bei der Suche nach Verbindung und Zugehörigkeit spielen würden?
Call for Innovation
Die Sparkassen-Finanzgruppe sucht mutige Ideen für Innovationsprojekte, die den hier aufgezeigten Herausforderungen begegnen. Sparkassen und Verbundpartner können dafür Innovationsbudget beantragen.
Mut zum Mitmachen
Sparkassen machen Mitmachen unkompliziert.
Wie können die Sparkassen Mitmachen so leicht, sichtbar und teilbar machen, dass aus Hilfsbereitschaft verlässliche Wirkung in der Region wird?
Viele wollen etwas beitragen und finden nur ganze Ämter mit unbestimmter Dauer, und kaum jemand weiß, wo im eigenen Ort überhaupt Hände gebraucht werden. Für die Sparkassen liegt darin eine große Chance, denn kaum eine andere Einrichtung kennt die Vereine und Vorhaben einer Region so genau.
Lernende Gemeinschaft
Sparkassen bringen Menschen zum Lernen zusammen.
Wie können die Sparkassen aus geteilten Zielen und Vorhaben echte Gemeinschaften machen, die sich vor Ort immer wieder begegnen?
Wer gründet, den ersten eigenen Haushalt einrichtet oder Vermögen aufbaut, sucht neben passenden Produkten auch Menschen mit ähnlichen Zielen. Diese Kontakte entstehen heute online. Sparkassen können solche Menschen zusammenbringen und eine Gemeinschaft schaffen, die mehr verbindet als die Wahl desselben Anbieters.
Weitere Horizonte 2027
- Vergleich mit 15 Zigaretten am Tag. US Surgeon General.
- Einsamkeit als Gesundheitsproblem und 871.000 assoziierte Todesfälle jährlich. WHO.
- Einsamkeit nach Altersgruppen, Grafik unter „Einsamkeit wird immer jünger“. Bertelsmann Stiftung.
- KI-Begleiter. Pi.
- KI-Freundschaften und Partnerschaften. Replika.
- Freundschaftsplattform. Bumble For Friends.
- Kuratierte Abendessen. Timeleft.
- Sportmitgliedschaften und Sportvereine. DOSB.
- Lauf- und Radfahrgruppen. Strava Clubs.
- Sauna-Community. Hytte Studios.
- Sport und soziale Begegnung. Haus of Hyrox.
- Dächer als soziale Treffpunkte. Heineken / Dezeen.
- Stricktreffen in Haspa-Filialen. Haspa × Knittingclub.
- Nachbarschaftsplattform. Nebenan.
- Mitmach-Supermarkt. SuperCoop / Weddingweiser.
- Vänvård / 15 Minuten Freundschaftszeit pro Woche im Pilotprojekt. ICA Gruppen.
- „Connected employees are effective employees“ von Kasley Killam. VML, The Future 100: 2026, Trend „Social Health“.
- Ehrenamtsplattform Digital Vereint. Neuland21.
- Regionale Beteiligung und Förderung. LEADER / DVS.
- Social-Media-Plattform. W Social.
- Social-Media-Plattform. BeReal.
- Analoge Treffen ohne Smartphone. The Offline Club.
- 30-tägige Offline-Challenge. Month Offline.
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